Herbstexkursion Den Haag 29.09. – 03.10.2018

 In weitere Resümees

Schon die „Sternfahrt“ der 40 Teilnehmer der Wirtschaftsgilde zeigte bei der Fahrt über Arnheim und Utrecht nach Den Haag moderne Bahninfrastruktur, Flächen sparsam gebündelt mit Autobahnen, modernsten Bahnhöfe, effizient und attraktiv.

Der Eindruck wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit bestätigte sich auch im Gespräch mit der Geschäftsführung der Deutsch-Niederländischen Handelskammer DNHK in Den Haag: selbstbewusst, weltoffen, partnerschaftlich und zukunftsorientiert tritt unser Nachbarland auf. 2017 der zweitgrößte Handelspartner Deutschlands mit einem Warenaustausch von fast 180 Mrd. Euro nach China und noch vor den USA. Es fällt auf im begeisternden Bericht der Kammer: die Niederländer pflegen eine lösungsorientierte, pragmatische Konsenskultur – Entscheidungen nach breiter Diskussion, dann aber einvernehmlich und kraftvoll in der Umsetzung, auch bei hoher Betroffenheit des Einzelnen in diesem Land mit Gebieten höchster Bevölkerungsdichte in Europa.

Aktive, freundschaftliche Nachbarschaftspolitik, gegründet auf langer Tradition deutscher Adelshäuser auf niederländischen Fürsten- und Königsthronen, zusammen mit der globalen Perspektive der erfolgreichen Kolonial- und Handelsnation bestätigt uns auch die Deutsche Botschaft im Gespräch – wenn auch manchmal schnellere Umsetzung auf deutscher Seite angemahnt wird.

Unternehmerischer Einblick in eine junge Softwareschmiede in Den Haag mit flexiblen Arbeitslatz- und Zeitmodellen waren etwas wie ein Ausflug in die Zukunft, pragmatisch-digital bis in den letzten lohnenden Winkel und doch persönlich, überschaubar und flexibel wie viele Unternehmen im holländischen Mittelstand.

Noch mehr Zukunft machte uns dann im neuen und Europa’s größtem Hafen Rotterdam geradezu sprachlos: intelligent und nachhaltig ist der Anspruch, weit ins Meer hinausgebaut mit beeindruckenden Umweltkonzepten und totaler Digitalisierung. „Menschenleer“ wird hier zentral, sicher und verlässlich
gesteuert, vernetzt und der bedeutende Partner Deutschland im Hinterland angebunden. Eine Hafenrundfahrt über 40 km Ausdehnung mit dem Bus war ein beeindruckender Ausflug in eine neue Dimension der Logistik, die unsere Rolle in der Welt, unseren Export mit ermöglicht.

Bei so viel Wirtschaft war ein Gottesdienst und Gespräch mit der deutschen Auslandsgemeinde in Den Haag ein lebendiger und wohltuender Gegenpol. Protestantisch, zwar in viele Richtungen geteilt und doch mit klarer Botschaft gegenüber dem Islam und – eher historisch bedingt – auch gegenüber der
katholischen Kirche, erlebten wir einen Einblick in eine lebendige Gemeinde – vielfach auf Zeit, da Deutsche in der Arbeitswelt oft nur befristet entsandt sind. Dennoch lebt die Gemeinde gänzlich auf Basis einer Eigenfinanzierung.

Architektur zeigt sich besonders in Den Haag und Delft beispielgebend im Umgang mit der Moderne und in der Bewahrung des Alten. Kultur mit den niederländischen Meistern vermittelte einen Eindruck von Weltniveau im Mauritshuis.

Die außergewöhnliche Stellung und internationale Anerkennung Den Haags als Stadt des Friedens und des Rechts zeigte sich eindrucksvoll im Friedenspalast von 1913, damals in großer Hoffnung auf Sicherung des Weltfriedens, heute internationaler Gerichtshof. Mit vielen weiteren UN und EU-Gerichten und Organisationen prägt dieser Geist und die Internationalität der Mitarbeiter und das Leben dieser Stadt. Einen direkten Eindruck vermittelten der Besuch und Gespräche bei Eurojust – Europa ist eben
mehr als Handel und Euro.

Die Wirtschaftsgilde mit 4 Studenten hat ein beeindruckendes, für viele ein neues und überaus sympathisches Bild unseres Nachbarlandes gewonnen. Gern mochte man hier und da wie auch beim Ausflug in das nahe Scheveningen verweilen und tiefer eintauchen. Holland liegt näher als wir oft fühlen, ist eine Reise wert und wir dürfen über anspruchsvolle Vielfalt berichten – zumal es jetzt im Herbst keine Tulpen zu sehen gab.

Burkhard Thost
Wirtschaftsgilde e. V.
Oktober 2018

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