Unternehmerforum Januar 2019

Neue Arbeitswelten fordern neue Orientierungen. Im Spannungsfeld zwischen Agilität und traditionellen Strukturen, in Netzwerken statt Hierarchien sind Räume und Organisation der Arbeitsumgebung wichtige Voraussetzungen für dynamische Veränderungen. Jedoch erst mit gelebten Leitbildern und Werten in Führung und Zusammenarbeit finden Unternehmen und Menschen Antworten zu neuen Erwartungen und notwendige neue Orientierung.

Die Wirtschaftsgilde führt in ihrem Forum Unternehmensführung mit über 45 Teilnehmern aus verschiedenen Berufen und Branchen Impulse für die Gestaltung weitreichender Veränderungsprozesse in der Arbeitswelt zusammen.


In der Vorstellung des gastgebenden Unternehmens THOST Projektmanagement GmbH durch den Geschäftsführer Herrn Dipl.-Ing. Oliver Thost wird das wachsende Feld der Wissens- und Ingenieurdienstleistungen in der Wirtschaft deutlich. Herausforderungen an Arbeit mit Daten als zentralem
Gut wurden greifbar, besonders, wenn wechselnde Teams und flexible Orte und Zeiten hinzukommen.


Prof. Dr. Stephan Fischer, Hochschule Pforzheim, Leiter des Instituts Human Resources Management führt mit seinem Vortrag „Neue Arbeitswelten – neue Orientierungen“ in die aktuellen Fragen ein:

Was sind die Veränderungen von außen und von innen?
Ist Agilität eine Antwort? Was sind Erfolgsfaktoren und neue Orientierungen?

Von außen bewirken Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Big Data Analysis, automatische Datensammlung drastisch veränderte Umgebungen der Unternehmen: Statt einfach eher komplex bis chaotisch. Statt kontinuierliche Entwicklung disruptiver Wandel, Unsicherheiten und große Komplexität. Von
innen vollzieht sich ein Wertewandel mit verstärktem Wunsch der Menschen nach Selbstständigkeit, Freiheiten, Teilhabe, Erfüllung und Sinnhaftigkeit im Beruf und in der Wechselwirkung zum persönlichen Lebensumfeld.

Diese Einflüsse fordern neues Verhalten von Unternehmen und Mitarbeitern. Ist Agilität eine Antwort? In jedem Fall prägt sie die aktuelle Suche nach erfolgreichen Verhaltensmustern. Agilität ist die Fähigkeit, sich
kontinuierlich an eine komplexe, turbulente und unsichere Umwelt anzupassen. Für Unternehmen bedeutet Agilität, Veränderungen rechtzeitig zu antizipieren, Bereitschaft zu Innovation und Veränderung zu fördern und verfügbares Wissen allen Beteiligten partnerschaftlich zur Verfügung zu stellen.

Nach umfassender Analyse kommt Prof. Dr. Fischer zum Schluss, dass Unternehmen, Organisationen und Menschen zur Balance zwischen Agilität und traditionellen Strukturen finden müssen, zum Gleichgewicht zwischen ständiger Veränderung und Stabilität.

Erfolgreiche Führung verändert sich dabei von Hierarchien zum Netzwerk, vom Befehlen zum Befähigen, hin zu Neugierde, Mut und Fehlerkultur, gegründet auf Vertrauen, Ehrlichkeit und Rückhalt in einem kulturell
vielfältigen Umfeld. In solchen Arbeitswelten gewinnen gelebte Werte eine unverzichtbare Stellung und Bedeutung für neue Orientierung und damit für den Erfolg unter veränderten Rahmenbedingungen.

Dr. Stefan Rief, Leiter des Forschungsbereiches Organisationsentwicklung und Arbeitsgestaltung beim Fraunhofer Institut IAO in Stuttgart zeigt in seinem Beitrag „Flexibel in Ort und Zeit“ die notwendigen Entwicklungen von Arbeitsplätzen in Büroumgebungen als Antwort auf die zukünftige Art der
Zusammenarbeit. Die Gestaltung des Raumes spielt hier eine bedeutende Rolle.

Waren Büroarbeitsplätze früher für alle Funktionen fest und vertraut zugeordnet, so braucht es heute eine Organisation und Raumgestaltung, die auf flexibles Arbeiten eingehen kann, gelöst von festen Orten und Zeiten, mit ständig wechselnden Projektgruppen, konzentriertem Arbeiten neben Telefonkonferenzen und Besprechungen. Wissenschaftliche Untersuchungen und praktische Erfahrungen zeigen, wie Antworten auf die neuen inneren und äußeren Bedingungen aussehen können.

Ganz praktisch wurden solche neuen Formen an einem Pilotprojekt der THOST Projektmanagement GmbH verdeutlicht: der Projektleiter Dipl.-Ing. Sven Baade führte durch eine solche neue Bürolandschaft, die in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IAO und einem wissenschaftlichen Arbeitskreis entwickelt wurde und dem Haus als Anschauungsobjekt für eigene Kundenberatungen dient.


„Geld allein reicht nicht – werteorientierte Führung im digitalen Umfeld“ – mit diesem Impuls leitet Frau Prof. Dr. Katharina Kilian-Yasin, Ethikbeauftragte der Hochschule Pforzheim zu notwendigen neuen
Orientierungen.

Veränderte Erwartungen an die Balance zwischen privatem Umfeld und Arbeitsleben, die Fragen nach Sinnerfüllung und Teilhabe können von Unternehmen und Führungskräften heute nur durch ein authentisch
gelebtes Werteverständnis erfüllt und beantwortet werden.

Aktuelle Initiativen und Leitbilder wie im „Deutschen Ethikindex“ sind wertvolle Hilfen, können jedoch nicht für jedes Unternehmen in gleicher Weise gelten. Hier ist das Selbstverständnis von Gesellschaftern,
Management und Mitarbeitern in Einklang zu bringen, damit Werte und ethische Leitbilder als Orientierung für das Unternehmen dienen können. Das Interesse an Hochschulen und in Unternehmen an diesen Themen nimmt deutlich zu und prägt schon heute das Bild guter Unternehmensführung, besonders im Wettbewerb um Fachkräfte und die besten Köpfe.

Mit ihrem Impuls legte Frau Prof. Dr. Kilian-Yasin die Grundlagen für die Diskussion im Workshop am Folgetag, in dem Leitbilder und wertorientierte Führung als Orientierung und Rückendeckung für Entscheidungen und Veränderungen gesehen werden. Ein Prozess, in dem ständige Anpassung erforderlich ist und „gelebte Werte“ nachhaltige Wirkung versprechen, während der „Buchstabe tötet“ und das Wort allein noch nichts bewegt.


Diese Gedanken zu Ethik und Werten in der Unternehmensführung und ihre Wurzeln auch im christlichen Werteverständnis ließen Herrn Falk Schöller, Pfarrer und Systemischer Unternehmensberater zu einem geistlichen Resüme der Tagung kommen und zeigen, dass bei aller Organisation, Struktur und Agilität eine geistliche Dimension im christlichen Verständnis wertvolle Orientierung bieten kann.

Burkhard Thost
Vorstand Wirtschaftsgilde e. V.
Pforzheim, 28.01.2019

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